Inter-Quariat

Bücher, Kunst & Internet

Und wer kauft das denn noch?

March 19th, 2013

Und wer kauft das denn noch?
Oder:
Hänge ich zu sehr an meinen Büchern?

Seit Tagen kommt immer wieder ein Pärchen gelangweilter Kurgäste in den Buchflohmarkt – die Sorte: Raus aus dem Regen und dann gelangweilt den Buchflohmarkt von hinten auf vorne drehen.
Alles gar kein Problem – dafür ist das ja auch da – zum stöbern, sich die Zeit vertreiben ect. ich räume das auch 49303 Mal auf und freue mich sogar wenn ich sehe da hat jemand gestöbert. Es müssen nicht die Beiden sein aber ich finde seit Tagen immer mehr aufgerissene Bücher irgendwo im Buchflohmarkt OHNE das dann ein Buch mitgenommen wurde..
Bei den gebundenen Büchern scheint ja ein Ansichtsexemplar nicht zu reichen … da finde ich dann vom gleichen Buch X Exemplare ohne Folie.
Eben kamen die gelangweilten Seh-Leute wieder. Guckten sich eher desinteressiert um und dann kamen die üblichen Sprüche:
„Also eigentlich brauche ich kein Buch ich habe was zu lesen dabei.“
„Oben in der Kurklinik steht doch genug zu lesen.“
„Ach mich interessiert das hier auch nicht so …“
“Eigentlich lese ich ja nicht mehr…” ect. Blah blubb.

Also Pupswegtrager, Sehleute und Chaos-Hinterlasser auf Skill Level 600 – die der unsymphatischen Sorte – selbst wenn jemand eigentlich zu viele Bücher hat aber dann eben das Buch statt es zu kaufen bei mir da unten liest ist das OK was mich nervt ist dieses Desinteresse und dumme Sprüche..

Ja also mal wieder nur unterstellen weils angefangen hat zu nieseln.
Ist in Ordnung.
Bis eine der Damen mir ein der Softcover Bücher hinhielt:
„Machen Sie das mal auf ich will da mal reingucken.“
Ich gucke die Drehsäule und das Lager durch – nein das Softcover das irgendwer aufgerissen hatte war nicht auffindbar.

Es gibt eine gewisse Art Leute bei denen weiß ich das die ein Buch wenn ich es denn aus der Folie hole auch nur desinteressiert durchblättern und dann wieder hinlegen.
Wer durchaus interessiert erscheint oder sich schon was Anderes aus dem Flohmarkt rausgesucht hat (der bekommt ja dann eh immer das dritte Buch gratis) der bekommt von mir auch mal ein persönliches Ansichtsexemplar in die Hand gedrückt. Es ist das Desinteresse was mich an der Situation anfraß.

Ich entscheide mich also angesichts der Luftfeuchtigkeit gegen ein öffnen der Folie.
„Die Softcover reiße ich nicht auf weil die dann nicht mehr in die Drehsäule oder auf einen Buchstapel können – bei dem Wetter wellt sich das Cover schnell nach oben.“
Die Kundin guckt mich an als wollte ich ihr grade ein eine Millionen Euro Auto in einem geschlossenen Karton verkaufen.
„Aber wie soll ich dann wissen ob ich das Buch haben will.“
Nun das Buch ist ein Buch mit jiddischen Liebesliedern – Inhalt hinten gut beschrieben – also kein Roman wo man mal reinlesen würde um zu gucken ob einem der Schreibstil gefällt, sondern ein Buch das sich Musiker oder Sänger kaufen. Was will sie also im Buch gucken? Testsingen? Bitte nicht ich habe doch schon Migräne…
Ich bin irgendwie nicht in der Stimmung den zwei gelangweilten Regenflüchtlingen ein Buch aufzureissen das mal an die 50 Euro gekostet hat und jetzt für einen Euro zu haben ist – wer bei einem ein Euro Buch REINLESEN muss – aber vorher eh kundgetan hat das er zu viele Bücher habe – der nimmt das doch eh nicht mit und dann liegt das arme Ding da unten und findet sicher kein neues Regal zum wohlfühlen.
Es geht mir nicht um den einen Euro und das lasse ich die Beiden auch wissen:
„Dann suchen sie sich zwei offene Bücher aus dann gibts das eingeschweißte Gratis dazu – aber wenn ich das aufmache kauft das keiner mehr und ich mag keine Bücher wegwerfen.“
„Ich will doch gar nicht so viele Bücher kaufen.“
Nein, sie will eigentlich gar nichts kaufen, sie hat ja, man erinnere sich, genug Bücher.
Wenn das Buch noch zum Listenpreis für 49 Euro oder was das mal gekostet hat im laden läge könnte ich ein Zögern beim Kauf verstehen.
„Würden sie das Buch kaufen wenn es gewellt hier herumliegt?“
„Nein eigentlich will ich es ja nicht kaufen ich will ja nur mal reingucken.“
„Ja aber dann kann ich das Buch irgendwann wegwerfen und ich mag keine Bücher wegwerfen.“ Nennt es total plemplem aber in mir stäubt sich alles wenn ich ein Buch wegwerfen muss, selbst wenn es so mit Cola verklebt ist das keine Rettung mehr möglich ist…
Im Buchflohmarkt liegen mindestens 3000 Bücher in die man REINGUCKEN kann. Und ich gehe jede Wette ein, das ich das Buch nachher aufgerissen da unten finde.
Ich weiss echt nicht wie ich mich solchen Leuten gegenüber verhalten soll – auf das unversehrte Buch schei..en und so gelangweilten Pups-Wegtragern sofort den Wunsch nach „reingucken“ erfüllen oder das nächste Mal klipp und klar sagen: Wer öffnet nimmts mit?
MUSS ich für jedes Buch und Heft ein Ansichtsexemplar liegen haben oder nicht?
In Zeiten wo jeder mit Smartphone rumläuft kann man sich den Inhalt doch eh im web angucken.
(DAS machen auch recht viele Leute im Buchflohmarkt – diese reinguck Option bei Amazon nutzen).
Ist es zu sehr “plemplem” das ich mich quasi um jedes Buch egal ob für 50 Cent zu haben oder für 50 Euro sorge?
Das ich lieber Bücher an Leute mit wenig Geld verschenke als gelangweilten Buch-zerstörern einen Gefallen zu tun?
So wie die Dame nämlich andere Bücher behandelt hat gehört sie zu denjenigen die ich als “Buchrückenrbrecher” bezeiichne: Den leuten die Ein Buch derart aufklappen das der Rücken bricht.

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